Sturm und Drang
Die Epoche des "Sturm und Drang", deren Beginn zumeist auf das Jahr
1769 datiert wird (in diesem Jahr erscheint Johann Gottfried Herders "Journal
meiner Reise im Jahre 1769"), ist eine auf Deutschland beschränkte
literarisch-weltanschauliche Bewegung. Der Begriff war schon bald nach 1770
gebräuchlich, also vor
der Veröffentlichung von Friedrich Maximilian Klingers gleichnamigen Drama
(1777), das später der ganzen Epoche ihren Namen gab.
Zentren des "Sturm und Drang" waren Frankfurt, Straßburg und Schwaben.
Die tragende Schicht des "Sturm und Drang"
Repräsentanten des "Sturm und Drangs" war die junge Generation der Zwanzig- bis Dreißigjährigen, die - im Despotismus politisch zur Untätigkeit verurteilt - die Revolte in der schriftstellerischen Betätigung sucht.
Grundzüge
Einerseits radikale Fortführung der Aufklärung, andererseits Protest gegen die Werte der Aufklärung: gegen einseitigen Rationalismus, Regelgläubigkeit, erstarrte Konventionen der ständischen Gesell-schaftsordnung. Gefühl, Herz, Trieb, Individualität, Ursprünglichkeit und Spontaneität gehen über Verstand und Vernunft; Subjektivismus; Vergötterung der Natur: Urquell des Lebendigen und Schöpferischen; Naturmensch vs. Kulturmensch (Einfluss Rousseaus); Vollendung des naturhaften Individuums ist der schöpferische (= kunstschaffende) Mensch, das gottähnliche Originalgenie, das der Regeln nicht bedarf. Vorbilder sind: Shakespeare, Homer
Die literarische Technik
Lyrik: persönliches Erleben in scheinbar einfacher, dem Volkslied nahe stehenden Sprache. Durchbrechung der drei Einheiten im Drama: häufiger Ortswechsel, lockeres Handlungsgefüge; Prosa; alltagsnahe, Affektbetonte Sprache.
