Kriminalroman

Allgemeines zum Genre:

Im Allgemeinen handelt der Kriminalroman von einem Verbrechen und dessen Verfolgung bzw. Aufklärung durch die Staatsgewalt oder eine Privatperson. Der Schwerpunkt kann dabei unterschiedlich gelegt sein, dadurch entstehen zahlreiche Untergattungen.
Heute hat sich der Krimi in der Literatur etabliert und es werden zahlreiche Preise verliehen, wie z. B.: Edgar Allan Poe Preis, der Deutsche Krimi Preis, Glauser usw.
Die grundlegenden Themen des Krimis sind Schuld und Sühne oder auch die Frage; warum Menschen so böse sein können; wie sie zum Verbrecher werden.

Geschichte des Kriminalromans:

Bereits Friedrich Schiller (1759 – 1805) beschrieb in seiner Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ einen Kriminalfall und hat sich die Frage gestellt, was passieren muss, damit ein Mensch zum Verbrecher wird. Dabei ging es vor allem um die Psychologie des Täters.
Als erster Krimiautor zählt aber Edgar Allan Poe mit seinem Kriminalroman „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ von 1814, er konnte aber auf Werke von E.T.A. Hoffmann zurückgreifen. August Gottlieb Meißner war Begründer der deutschsprachigen Kriminalerzählung und der Schweizer Friedrich Glauser erster bedeutender deutschsprachiger Detektivromanautor.
Allerdings finden sich die Wurzeln des Kriminalromans schon viel früher: Die ersten kriminalistischen Züge tauchen bereits in der Literatur der Antike auf, so z. B. in „König Ödipus“ von Sophokles.

Einige Subgenres:

• Whodunit
• Hard- boiled Krimi
• Noir Krimi
• Thriller (hier gibt es ebenfalls zahlreiche Untergattungen)
• Hard- boiled Thriller
• Polizei- Krimi
• Gerichtsmedizinischer Krimi
• Gerichtskrimi
• Spionage- und Agententhriller
• Regionalkrimi
• Historischer Krimi

Whodunit (Who Done It? - Wer hat es getan?)

Der Rätselkrimi (auch Landhauskrimi oder Cozy genannt) ist die klassische Detektivgeschichte. Hier steht die Aufklärung, die Täterermittlung, im Vordergrund. Meist ist hier die Tat dem Leser bekannt.
Der Held arbeitet mit seinem Verstand, die Cleverness des Detektivs wird herausgefordert. Es scheint ein Wettrennen um die Lösung des Rätsels zwischen Detektiv und Leser zu sein, wobei auch oft falsche Fährten für den Leser gelegt werden. Als Täter kommen nur die Personen in Frage, die bereits anfangs in der Geschichte auftauchen. Die Haupthandlung sind Zeugenbefragungen, Rekonstruktion des Tathergangs, Motivforschung, Suche nach der Tatwaffe und schließlich die Überführung des Täters. Das Ende muss für den Leser überraschend, aber dennoch plausibel, sein, sodass er von der Genialität des Helden überzeugt ist.
Typische Vertreter dieser Gruppe: Sherlock Holmes (Arthur Conan Doyle), „Miss Marple“ (Agatha Christie), „Hercule Poirot“ (Agatha Christie), „Nero Wolfe“ (Rex Stout), …

Hardboiled Krimis:

Der Held, ein Privat- oder Polizeidetektiv, muss ein Verbrechen aufklären. Die Handlung setzt sich ähnlich wie beim Whodunit-Krimi zusammen: die Suche nach dem Täter. Der Unterschied besteht darin, dass hier der Held in eine gefährliche Situation (ähnlich wie beim Thriller) gerät und sich im Zweikampf (nicht unbedingt körperlich) beweisen muss. Es entsteht ein Wechsel von Verfolgen und Verfolgtwerden und am Ende wird der Täter überwältigt. Dadurch enthält die Handlung mehr Action als beim Rätselkrimi. Und oft wird die Geschichte mit sozialkritischen Aspekten beschrieben.
Typische Vertreter: Philip Marlowe in "Der lange Abschied" (Raymond Chandler), „Mike Hammer“ (Mickey Spillane), „Der Malteser Falke“ (Dashiell Hammett) u. a.

Der Noir-Krimi

Hier liegt der Schwerpunkt bei den Antagonisten, also den Verbrechern der Geschichte. Der Noir-Krimi gewährt Einblick in die dunklen Gedanken des Täters. Und es gibt kein Happy End, denn nach der Aufklärung des Verbrechens ist die Welt nicht in Ordnung. Der Noir Krimi spiegelt die Welt als Skandal wieder.
Vertreter dieser Gruppe: „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (James M. Cain), „Die schwarze Dahlie“ (James Ellroy), „Zahltag“ (Richard Stark), u. a.

Der Thriller (englisch: to thrill - mitreißen, fesseln)

Hier steht die Gefährdung des Protagonisten im Vordergrund. Der Held wird zum Ziel des Täters, dadurch muss er um sein Leben fürchten und meist direkt mit dem Täter darum kämpfen: „Gut gegen Böse“. Die Handlung wird mit Actionelementen (Verfolgungsjagden, Schlägereien, etc.) spannungsgeladen.
Der Thriller lässt auch romantypische Nebenhandlungen zu: Liebesgeschichten, Politik, Rückblenden, Gewaltdarstellungen, …
Vertreter: „Der Pate“ (Mario Puzo), „Der Spion der aus der Kälte kam“ (John Le Carre), „Roter Drache“ (Thomas Harris), „Im Eishaus“ (Minette Walters), „Illuminati“ (Dan Brown) u. a.

Polizeikrimi (police procedural)

Hier werden polizeiliche Ermittlungen realistisch dargestellt.
Typische Vertreter: „Maigret“ (Georges Simenon), „Wachtmeister Studer“ (Friedrich Glauser), „Kurt Wallander“ (Henning Mankell), „Tabor Süden“ (Friedrich Ani), u. a.

Gerichtsmedizinische Krimiromane

Die Wissenschaft der Pathologie und verwandten Wissenschaften ist hier handlungstragend. Der Leser begleitet den Helden bei den kriminalistischen Untersuchungen. Oft steht hier auch die Psychologie im Vordergrund.
Typische Vertreter: „Tempe Brennan“ (Kathy Reichs).

Der Regionalkrimi

Regionalkriminalromane haben ein bestimmtes Setting, spielen also in einer bestimmten Region und haben einen typischen Lokalkolorit. Die Figuren sprechen oft den Dialekt des Ortes, gehen durch namentlich genannte Straßen, die es in der Wirklichkeit auch gibt, oder besuchen Bars, die auch außerhalb der Geschichte existieren.
Die deutschen Regionalkrimis gehen auf die 80er Jahre zurück. Es entstanden die Revierkrimis, Köln- und Eifelkrimis, um nur einige zu nennen. Deutsche Vertreter sind u. a.: Jürgen Kehrer und Frank Schätzing. Sie werden oft unter „Deutsche Krimis“ verkauft, da Regionalkrimis als abwertend empfunden werden. Ein österreichischer Vertreter wäre Wolf Haas.
Typische Vertreter: „Die Sünderin“ (Petra Hammesfahr), „Der Hahn ist tot“ (Ingrid Noll), „Die Detektivin“ (Nikola Hahn), „Eifel- Blues“ (Jacques Berndorf), u. a.

Historische Kriminalromane

Wird die Ermittlung in vergangenen Zeiten beschrieben, so kann man dies als „historischen Krimi“ bezeichnen. Hier gibt es aber vieles zu beachten, besonders die Ermittlungsmöglichkeiten: die Kriminaltechnik, die Pathologie, etc. ist in den letzten Jahren stark ausgeweitet worden. Vieles von heute, konnte man sich damals nicht einmal „denken“ (DNA Analyse, …).
Vertreter: „Der Name der Rose“ (Umberto Eco), „Der Mann aus St. Petersburg“ (Ken Follett), u. a.

Literarische Kriminalromane

Krimis galten lange Zeit als geringschätzige Trivialliteratur. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahren gewandelt und der Krimi ist mittlerweile durchaus „salonfähig“ geworden. Die psychologischen Aspekte, die Milieubeschreibungen, die Nöte des Helden eines Krimis lassen es durchaus zu, anspruchsvolle Literatur zu schreiben. Da der Krimi oft auch mit anderen Genres „gekoppelt“ wird (z. B. mit einer Liebesgeschichte oder einem historischen Hintergrund), ist es kein Problem mehr, die literarische Qualität hoch zu halten.
Vertreter: „Der Richter und sein Henker“ (Friedrich Dürrenmatt), „Der kleine Zauberer“ (Sol Stein), u. a.

Sekundärliteratur:

Weblinks: