August von Goethe

Porträt Clemens Brentano von Emilie LindnerAugust von Goethe (*25.12.1789, † 28.10.1830 in Rom), Sohn von Johann Wolfgang von Goethe, Jurist und Reiseschriftsteller.

Julius August Walter von Goethe ist das einzige der fünf Kinder, die aus der Verbindung von Johann Wolfgang von Goethe und Johanna Christina Sophia von Goethe (geb. Vulpius) hervorging, das das Erwachsenenalter erreicht. Unehelich geboren schafft es nur Goethes hohe Stellung, August 1801 zu legitimieren. 
Ab 1805 besucht August das Gymnasium. Er erweist sich als normal begabter Schüler. Er wächst im Schatten seines Vaters auf, von ihm wird von allen Seiten viel erwartet: „Die Nation hat große Anforderungen an Sie, einziger Sohn des Einzigen in unserm Zeitalter. […] ob Sie würdig sich bilden, des Vaters Platz einst auszufüllen.“

August von Goethe studiert Jura in Heidelberg und Jena. Als sein Vater ihm den Beitritt in eine Verbindung untersagt, isoliert August sich. Sein Vater besorgt ihm daraufhin eine Stellung als Kammerassessor, der Herzog beruft ihn später als Hofjunker an den Hof. Mit 27 Jahren heiratete er am 17.06.1817 in Weimar Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von Pogwisch. Er hatte drei Kinder, Walter Wolfgang, Wolfgang Maximilian und Alma. Sehr früh war von Scheidung die Rede, Ottilie hatte zahlreiche Affären, aber August hielt an ihr fest und willigte nicht in die Scheidung ein. Wie schon sein Vater und sein Großvater macht er im April 1830 eine Italienreise. August verfolgt aber weniger literarische oder bildungsbürgerliche Ambitionen, sondern will weg aus Weimar, wo die Last seines Hofamtes und die dominante Gestalt seines Vaters ihn beinah erdrücken und zu sich selbst finden. Hinzu kommt sein Alkoholismus, dem er schon seit frühester Jugend verfallen ist. Des Vaters Sekretär Eckermann soll August auf der sechsmonatigen Reise begleiten. Die erste Strophe eines von August anonym veröffentlichten Gedichts spiegelt seine Situation:

„Ich will nicht mehr am Gängelbande
Wie sonst geleitet seyn
Und lieber an des Abgrunds Rande
Von jeder Fessel mich befreien.“

Die beiden letzten Zeilen „Ich geh´ entgegen bess´ren Tagen, Gelöst ist hier nun jedes Band!“ drücken aber vor allem die Hoffnung aus, die August in die Italienreise setzt. Lösen kann er sich von seinem Vater jedoch nicht, sondern schildert ihm seine Erfahrungen in Briefen und Aufzeichnungen, der ihm immer wieder Tips für seine Reise zurück sendet. Er schreibt während der gesamten Reise, obwohl er schon in Venedig klagt, daß er sich mit dem Tagebuch „abmartere“ und in Neapel stöhnt: „Ich gebe Nachricht und Rechenschaft von jedem Tag und meinem Leben hier, aber zuweilen wird es mir sauer zu schreiben, da man dadurch Zeit verliert und das Leben nicht genießen kann.“
Auch erwartet er sehsüchtig Post aus Weimar, seiner Frau und vor allem von seinem Vater, „ob meine Art die Sachen zu betrachten Ihren Beyfall hat.“
Seine Gesundheit verbessert sich kontinuierlich. Am 25. Juni verläßt ihn dann der kränkelnde Eckermann und kehrt nach Deutschland zurück. Dort hat ihn ohne Augusts Wissen bereits Ottilie verlassen.

Am 16. Oktober erreicht er Rom, den Höhepunkt seiner Reise. Gegenüber dem Vater zeigt er sich dankbar: „Meine Dankbarkeit gegen ihn ist ohne Gränzen, dass er mir alle diese Genüsse verschafft“. Auch zieht er in einem Brief an den „besten Vater“ eine Art Resümee seiner bisherigen Reise: „Mein höchster Wunsch ist erfüllt! Ich habe Italien gesehen und genossen, bin reich an Kenntnissen von Kunst, Leben, Treiben und Natur geworden… Es ist das erste mal, im 40t. Jahre, dass ich zum Gefühle der Selbständigkeit gekommen, und [das] unter fremden Menschen…“

Am 23.10. erkrankt August. Schwere Fieberschübe ereilen ihn, bis er am 28.10. verstirbt. Von der Sektion der Leiche berichtet der Freund August Kestner nach Weimar: Der „theure August“ habe auf keinen Fall noch länger leben können, denn seine Leber sei dreimal so groß wie normal gewesen und als Folge dessen sei die Hirnhaut mit dem Gehirn zusammengewachsen. „Hieraus waren mehrere Kopfadern einem plötzlichen Zerplatzen jeden Augenblick ausgesetzt. Und der, wiewohl geringe Grad des Fiebers unseres Freundes hatte eine derselben zum Springen gebracht. Dieß war das schnelle Ende, das nichts anderes als Schlagfluß war.“

Beerdigt wurde der Reiseschriftsteller August von Goethe unter großer Beteiligung der deutschen Künstler in Rom am 29.10.1830 auf dem Friedhof für Nicht-Katholiken bei der Cestius-Pyramide.

Bezeichnend ist der lateinische, von Goethe entworfene Text auf dem Grabstein: „Goethe Filius Patri antevertens obiit annor XL“ (Goethe der Sohn, dem Vater vorangehend, starb vierzigjährig). Diese Inschrift verwehrt den Vornamen und zeigt bis heute, was August war: Der ewige Sohn eines übermächtigen Vaters, selbst in der Fremde nicht in der Lage, völlig aus dessen Schatten herauszutreten und ein eigenes Leben zu führen.

Das Tagebuch seiner Italienreise ist heute im Buchhandel erhältlich (siehe Literaturhinweise). Der früh verstorbene Reiseschriftsteller ist der Namensgeber für den August von Goethe Literaturverlag in Frankfurt am Main.

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